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Frischer TÜV (Signale 76-97)

Frischer TÜV (Signale 76-97)

Gespeichert von Stephan am Fr., 04.12.2020 - 20:26
Mit frischem Segen unterwegs auf den Straßen: unsere Oma.

Für unsere Oma erst im zweiten Anlauf

 In den letzten Jahren war die technische Überprüfung unseres Wartburg 311 überwiegend problemfrei. Häufig ganz ohne Mängel oder höchstens mit dem obligatorischen Ölverlust am Motor erlangten wir die ersehnte Plakette für weitere zwei Jahre.

Das das aber kein Selbstläufer ist zeigte uns 2020.

Im Frühjahr war unser Wartburg schon einige Kilometer vollkommen problemlos gefahren.

Es hat immer viel Freude gemacht, die Oma durch die Gegend zu steuern.

Der Wagen war abgeschmiert und in Schuss, lief ohne Probleme und sollte den Technik-Segen hürdenfrei erlangen.

Im Grunde habe ich deshalb auch beim TÜV keine wirklichen Überraschungen erwartet.

Aber tatsächlich sollte es ein wenig anders kommen.

In dem Moment, als sich der freundliche Prüfer schwungvoll in das alte Auto setzte und mit aller Kraft an dem doch sehr filigranen Schalthebel riss, um sich mit dem Auto auf die Prüfbühne zu bewegen, tat nicht nur im Herzen weh!

Selbstverständlich brauchte er auch keine Hilfe, denn er kannte sich perfekt aus. Immerhin, so erzählte er mir hinterher, hatte er mal eine Tante gehabt, die von ihrem Küchenfenster bis zum AWE-Werk schauen konnte! Wenn das mal keine Qualifikation ist…

Trotzdem prüfte er den Warti anschließend sehr gewissenhaft und verweigerte schlussendlich die erhoffte Plakette.

Der Hauptgrund lag an den doch sehr unterschiedlich stark ziehenden Bremsen, an (angeblich) nicht fest genug angezogenen Schrauben an den Traggelenken und falsch eingestellten Frontscheinwerfern.

Punkt 3 ließ sich mit etwas Überredung in einer nahegelegenen freien Kfz-Werkstatt lösen. Dort hatte man einen Mitarbeiter, der mit Wartburg ein paar Erfahrungen hatte.

Vor allem aber hate er Spaß an unserem Auto und jede Menge Geduld.

Da mittlerweile die Computerisierung des alltäglichen Lebens auch vor Scheinwerfer-Einstellgeräten nicht mehr halt gemacht hatte, musste er sich mit eben so einem Gerät lange abquälen. Der Grund dafür lag in der teilweisen Verdeckung der Scheinwerfer während der Einstellung mit dem Schraubenzieher. Prompt „erkannte“ das High-Tech-Gerät ein völlig neues Lichtprofil und fing von neuem an zu messen. Ein echtes Geduldsspiel.

Auf meine Bitte hin schmierte der junge Mann noch schnell das Fahrwerk ab und zog die Kronenmuttern an den Vorderrädern an. Zusätzlich ein paar neue Splinte daran und nun fehlte eigentlich nur noch die Bremse.

Trotz gutem Zureden war hier aber nichts zu machen. An die Bremse traute sich weder hier, noch in einer anderen Werkstatt meiner Umgebung jemand heran.

An dieser Stelle hatte Corona nun endlich doch mal einen Vorteil zu bieten: In Anbetracht des Lockdowns waren die Toleranzen für Hauptuntersuchungen angehoben worden. Außerdem hatten wir mit unserem Fehlerprotokoll acht Wochen Zeit zur Wiedervorstellung.

Also reifte der Plan, mit unserer Oma in den Osten des Landes zu fahren.

In der alten Heimat des 311ers musste sich doch noch jemand finden lassen, der sich an das Thema herantraute.

Tatsächlich erfüllte sich diese, unsere Hoffnung.

Allerdings kostete das Unterfangen unglaublich viel Kraft und wir sind unendlich dankbar dafür, dass sich jemand unserer Oma annahm, der ein ordentliches Maß an Ehrgeiz aber auch Geduld mitgebracht hatte.

Die Bremstrommel vorn rechts saß so unglaublich fest, dass selbst schweres Werkzeug und höllenartige Hitze sie für eine ganze Weile nicht lockern konnten.

Kurz bevor alle weiteren Versuche abgeblasen werden sollte, krachte es auf einmal und die Trommel war endlich ab! Das war über ein Tag harte Arbeit. Vielen Dank an Oliver Presch, der normalerweise Chemnitz und Umgebung am Fahrgefühl für Trabant und Wartburg teilhaben lässt. Ihm gehört nämlich die Trabantvermietung Chemnitz.

Wer also mal wieder einen Trabant P60, einen P601 einen Wartburg 353 oder 311 fahren möchte, ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse. (www.trabantvermietung-chemnitz.de)

Schließlich stellte sich heraus, das die Hauptbremszylinder alle unmittelbar vor der Inkontinenz standen. Bis auf einen. Der Radbremszylinder vorn rechts - genau der, wo sich die Bremstrommel so hartnäckig verweigert hatte - der lief sogar schon aus! Hier war höchste Zeit zum Handeln.

Vielen herzlichen Dank noch einmal an Oliver, der sich mit Mut, Kraft, Ideen und vor allem Ausdauer an dieses Thema herangewagt hatte.

Danke auch an Olav Siegert, der uns seinen wunderschönen Wartburg 353 als Ersatzfahrzeug zur Verfügung stellte.

 

 

/ Stephan Uske